Montag, 10. Juni 2013

Mein Alltagszauber - Teil 1

Heute möchte ich mal auf meine persönliche Erfahrung mit Arbeit und Familie eingehen, da ich so einiges in den letzten Jahren in der Arbeitswelt erlebt habe.

Mein Alltagszauber began vor 7 Jahren, als mein Mann und ich uns ein Kind wünschten. Ich arbeitete zu dieser Zeit in der deutschen Niederlassung eines ausländisches Unternehmens als Software Supporterin (bin gelernte Informatikerin). Wir waren nur 5 Angestellte im deutschen Raum. Und darin lag auch die Gefahr. Es wurde sehr schnell ein persönlichen Miteinander aufgebaut. Eigentlich eine schöne Sache, wenn es denn nicht ausgenutzt wird....



Leider traf die "Ausnutzung" auf mich zu. Überstunden waren normal in dem Unternehmen und sind an sich auch nichts schlimmes. Nachdem ich jedoch ein Großprojekt mit internationalen Charakter betreuen sollte, anfangs auch noch wollte, wurde der Rahmen an hinnehmbaren (nicht bezahlten und da auch keine Zeit war - nicht abbummelbaren) Überstunden argh überschritten. In einem Monat waren es knapp 120h zusätzlich. Das bedeutete eine Verdopplung der Arbeitszeit! Auch die anderen Monate waren weit über normal zumutbar, selbst nach Projektbeendigung. Urlaube wurden einfach kurzehand gestrichen, Wochenendarbeit und Arbeit zu Hause wurde fast schon eine Norm.

Es kam wie es kommen musste, nachdem es einige Monate so gelaufen war machte mein Körper schlapp (Arbeit + Haushalt war einfach nicht möglich. Und das Gehalt war nicht schlecht, aber auch nicht wirklich angemessen für die Arbeitsleistung... bei mehr Geld hätte man sich wenigstens eine Haushaltshilfe leisten können). Zudem hatten wir schon mehrere Monate versucht schwanger zu werden, aber dank des Stresses hatte es nicht geklappt.

Eines Tages brach ich dann bei einem Kunden Vorort zusammen.

Dieses Warnzeichen nahm ich sehr ernst und bat daher meinen Chef um ein Gespräch (man sollte immer zu erst ein Gespräch suchen!). Ich erklärte ihm dort, dass ich mit dieser Fülle an Überstunden nicht weitermachen könnte und bat ihn das Wochenpensum zu drosseln. Mein Angebot waren maximal 5-8 Überstunden die Woche, im Notfall bei Projekten auch mal mehr.
Sein Kommentar dazu hat mich dann einfach nur verletzt: Ich glaube Sie sind krank im Kopf.

Ich war erschüttert und wusste in diesem Moment das es für mich nur noch einen Ausweg gab: Ich musste die Firma verlassen. Auf mich als Arbeitskraft wurde hier einfach keine Rücksicht genommen und der freundliche Umgangston anfangs war lediglich eine Masche gewesen um weniger "Neins" zu erhalten, falls um mehr Arbeitsleistung gebeten wurde.

Jedoch kündigte ich nicht sofort. Ich informierte mich erstmals im Internet, welche Möglichkeiten es für mich gab. Eine sofortige Kündigung hätte nur eine Sperre beim Arbeitsamt hervorgerufen. Die Lösung verdankte ich dann auch mit meinen Arzt. Er erklärte mir, dass er es nicht gutheißen würde, wenn ich in dieser Firma weiterarbeitete. Wie es bisher schon mit mir bergab gegangen war und dann noch solche Aussagen vom Chef, das wäre nicht zumutbar. Und genau diesen Weg verfolgte ich dann weiter.
Er überwies mich an einen Kollegen und der bescheinigte mir, dass ich unter den Stress etc. bereits sehr gelitten hätte und nur ein Austritt aus der Firma mich vor größeren Krankheitsausfällen schützen könnte. Mein Körper würde diese Belastung auf Dauer nicht mitmachen.

Bevor man diesen Weg geht, sollte jeder sich sicher sein, das man mit der Konsequenz - im Arbeitszeugniss etwas davon wiederzufinden - klar kommen kann. Ich selbst war mir meiner Arbeitskraft und meiner Leistung sehr sicher und wusste das ich selbst über nicht 100% glücklich formulierter Sätze im Arbeitszeugniss in meinem weiteren Leben nicht stolpern würde. Zudem darf im Arbeitszeugniss auch nichts wirklich Negatives stehen. (Ich kann jetzt schon verraten, dass mir der Satz zu diesem Thema im Arbeitszeugniss NIE geschadet hat, da ich wusste wie ich mich auch damit gut verkaufen kann).

Ich kündigte dann also aufgrund von Krankheit meine Arbeit. Wurde nicht gesperrt beim Arbeitsamt. Und nur 4 Wochen danach war der Schwangerschaftstest positiv - und das nach so vielen Monaten vergeblichen Versuchens.

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Mehr in Teil 2

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